Raus aus der Warteschlaufe
Kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt – trotz langjähriger Arbeitserfahrung. So geht es vielen über 50-Jährigen, die ihre Arbeit verlieren. So auch Armin Kappeler: Seine Arbeitsstelle verliert er mit 57 Jahren. Nach vier Jahren im technischen Dienst eines Pflegeheims wird ihm gekündigt. Nun hat er schon über 60 Bewerbungen geschrieben und ausschliesslich Absagen erhalten. Er bezeichnet sich als «stellenlos – aber nicht arbeitslos», gestaltet seinen Alltag aktiv und investiert seine Zeit in verschiedene Projekte.

Heidi Joos verliert mit 50 Jahren ihre Stelle. Trotz ihrer Erfahrung als Führungskraft findet sie keine neue Anstellung. Inzwischen sind zehn Jahre vergangen und sie unterstützt nun als Coach und Trainerin selber Menschen, die mit über 50 die Stelle verlieren. Ausserdem leitet sie eine Selbsthilfegruppe und weiss, wie sich geplatzte Zukunftsträume, eine allfällige Familienkrise und ein angeschlagenes Selbstbewusstsein auswirken können – und wie man sich selbst trotz allem dabei nicht aufgibt.

Die älteren Jobsuchenden als Gewinn
Kursierende Vorurteile erschweren die Jobsuche. Die Vorurteile können aber widerlegt werden:

Produktivität
«Ältere sind weniger produktiv als Jüngere.» Stimmt nicht: Die Produktivität steigt, wenn der Anteil der älteren Mitarbeitenden wächst. Ein guter Mix zwischen Alt und Jung ist wichtig (Quelle: Christian Göbel und Thomas Zwick, 2012).

Personalkosten
«Ältere sind viel zu teuer.» Höhere Personalkosten für Ältere müssen nicht sein. Wenn eine erfahrene Fachkraft gesucht wird, sind Arbeitgeber gern bereit, einen entsprechenden Lohn zu zahlen.
Ältere sind dem Unternehmen auch länger treu und verursachen weniger Kosten durch geringere Personalfluktuation. Im Übrigen gilt: Über den Lohn kann meistens verhandelt werden – und Arbeitnehmer und Arbeitgeber werden sich meist einig, wenn beide wirklich wollen.

Motivation
«Die Motivation nimmt mit dem Alter ab.» Es ist gerade umgekehrt. Die Arbeitsmotivation nimmt im Alter sogar zu. Dies beweist eine Studie von Thomas Ng und Daniel Feldman, für die sie 418 Studien zum Thema Vorurteile gegenüber älteren Mitarbeitenden mit 208’204 Teilnehmenden untersuchten. (Quelle: Ng und Feldman, 2012).

Gesundheit
«Ältere Mitarbeitende sind öfter krank als Jüngere.» Stimmt nicht: Sie sind weder seelisch noch körperlich häufiger krank als Jüngere. Allerdings sind sie länger krank, wenn dies mal eintrifft. (Quelle: Ng und Feldman, 2012).

Veränderung
«Ältere Mitarbeitende wollen sich nicht verändern.» Stimmt nicht: In der Analyse von 418 Studien von Ng und Feldman (2012) zeigte sich sogar: Je älter die Befragten waren, desto eher waren sie bereit, sich zu verändern.

Vertrauen
«Ältere vertrauen anderen wenig.» Auch hier zeigte sich in der Untersuchung von Ng und Feldman, dass die älteren Mitarbeitenden eine bessere Beziehung zu ihren Kollegen hatten als Jüngere. Sie vertrauten sowohl ihnen als auch ihrem Chef oder ihrer Chefin.

Beruf und Freizeit
«Ältere widmen sich lieber ihrem Privatleben als ihrem Beruf.» Ältere hatten kein Problem, Freizeit und Beruf unter einen Hut zu bringen. Sie bevorzugten weder das eine noch das andere (Quellen: Ng und Feldmann, 2012; Masterarbeit MAS Gerontologie 2011/13; Institut Alter, Fachhochschule Bern)

Lernfähigkeit
«Ältere lernen nicht mehr so gut wie Jüngere.» Eine Studie von Voelcker-Rehage und Alberts (2005) zeigt, dass die Lernfähigkeit bei jungen und älteren Menschen gleich gut ist. Die Unterschiede innerhalb einer Altersgruppe sind weitaus grösser als die zwischen den Altersgruppen.

Akzeptanz jüngerer Vorgesetzter
«Ältere haben Mühe, jüngere Vorgesetzte zu akzeptieren.» Die Careerbuilder-Umfrage von 2010 zeigte, dass Ältere keine Probleme haben, jüngere Vorgesetzte zu akzeptieren. Sie stellte fest, dass 43 Prozent aller Arbeitnehmer, die 35 Jahre und älter sind, für jemanden arbeiten, der deutlich jünger ist als sie selber. Aufgesplittet in Altersgruppen bedeutet dies, dass mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Beschäftigten im Alter bis 45 Jahre einen Chef haben, der jünger ist als sie, gefolgt von 69 Prozent der Arbeitnehmer im Alter von 55 Jahren und darüber.
(Quelle: Deutsche Arbeitsmarktstudien, Zusammenstellung, AWA, Aargau)

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