Sandmännchen-TV. (Foto: cc flickr: diepuppenstubensammlerin)

Sandmännchen-TV. (Foto: cc flickr: diepuppenstubensammlerin)

Heute um 10 Uhr kam die „gemeinsame Pressemitteilung von Mediapulse und 3+“. Die beiden Parteien einigten sich in einem Vergleich über die Freigabe der Fernsehnutzungsdaten. Jetzt können wieder TV-Quoten veröffentlicht werden. Die Quoten sollen am 2. August publiziert werden dürfen. Da „Vergleich“ ein böses Wort ist, wird in der Pressemitteilung von einer „Einigung“ gesprochen.

Hier die Pressemitteilung im «Wortlaut» – mit ganz persönlichen Anmerkungen Vermutungen, was die Aussagen in Wirklichkeit bedeuten:

«Gemeinsame Lösung im Streit um TV-Quoten»
Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende

«Der Freigabe der Fernsehnutzungsdaten aus dem neuen Messsystem steht nach einer Einigung zwischen 3 Plus und Mediapulse nichts mehr im Weg.»
3 Plus stemmt sich nicht mehr gegen die Veröffentlichung der Quoten. Wir sind zu einer Einigung gekommen, weil wir festgestellt haben, dass beide Parteien die Fortführung des Status quo Kopf und Kragen kosten könnte. Der angerichtete Imageschaden ist ohnehin schon beträchtlich.

«Die laufenden Gerichtsverfahren sind damit beendet.»
Es laufen keine weiteren Kosten und allfälligen Schadensersatzansprüche Dritter mehr auf. Bitte fragt uns nicht, wie wir die Kosten aufteilen.

«Seit anfangs Jahr arbeitet die Schweizer Fernsehbranche ohne öffentlich verfügbare Daten zur Fernsehnutzung. Kern der Diskussionen ist das auf 1. Januar 2013 von Mediapulse in Betrieb genommene Messsystem, das völlig neu aufgebaut wurde. Im Ergebnis produziert das neue Messsystem andere Einschaltquoten und Marktanteile als das vorherige Messsystem. Die daraus entstandenen Streitigkeiten verhinderten bisher die freie Publikation der Fernsehdaten. Insbesondere der Fernsehwerbebranche, welche in der Schweiz jährlich rund 700 Millionen Schweizerfranken umsetzt, fehlte damit die wichtigste Arbeitsgrundlage – eine unhaltbare Situation für alle beteiligten Parteien.»

Das neue System hatte Mängel, der Testlauf erfolgte im Live-Betrieb. Diese Mängel benachteiligten kleinere Programmanbieter. Einen Plan-B gab es nicht. Neue Daten wurden gewünscht, aber keine schlechteren Zahlen. Dafür, dass die Situation „unhaltbar“ war, hat sie ganz schön lange gedauert.

«Einigung der Konfliktparteien»

«Um diese Situation so schnell wie möglich zu beseitigen, haben 3 Plus und Mediapulse im Rahmen von intensiven Gesprächen eine gemeinsame Lösung gesucht und gefunden. In einer Vereinbarung haben sich die Parteien auf konkrete Massnahmen geeinigt mit dem Ziel, das Vertrauen in die neuen Daten wieder herzustellen und die Zuverlässigkeit der Messdaten laufend zu optimieren. In der Vereinbarung mit Mediapulse erklärt sich 3 Plus einverstanden, die Gerichtsverfahren am Obergericht in Nidwalden und am Bundesverwaltungsgericht in St. Gallen als erledigt abschreiben zu lassen. Ab dem 2. August stehen die Fernsehnutzungsdaten allen Kunden von Mediapulse zur üblichen Nutzung zur Verfügung.»

Um weiteren Schaden von den beteiligten Parteien abzuwenden und unter enormen Druck der Werbepartner, der Medien, dem Spott der Öffentlichkeit und vor dem Hintergrund allfälliger Schadensersatzforderungen, wurde in zähen und langwierigen Verhandlungen eine Lösung gesucht und gefunden. Darum haben die beiden Parteien eine Einigung herbeigeführt, um weiteren Schaden von sich fernzuhalten. Die Parteien sind sich einig, dass in Zukunft brauchbare Daten erhoben werden müssen sollen, die bisherigen Zahlen sind unzuverlässig unvollständig unbrauchbar irreführend verbesserungswürdig.

«Beide Seiten zeigen sich zufrieden mit der gefunden Lösung.»
Beide Seiten hoffen, dass damit das Thema vom Tisch ist und niemand anders noch Ärger macht. Moderne Fernsehnutzungsarten wie z.B. Fernsehen via Internet oder über Mobilgeräte werden bis auf weiteres nicht erfasst.

 

Disclaimer: Dieser Beitrag kann Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten. Nicht alles, was hier steht, ist völlig ernst zunehmen, sondern entspringt lediglich der blühenden Phantasie des Autors.