Ausgesetzter Fernseher

Wer glotzt in die Röhre?

Die gute Nachricht vorweg: Es wird auch in Zukunft noch zeitversetztes Fernsehen geben. Swisscom-TV und UPC Cablecom dürfen sich die Hände reiben: Ihr Konzept ging auf. Die neuen Bedingungen zum sogenannten «Catch Up»-TV können die beiden Digital-TV-Anbieter ihren Kunden als neuen und verbesserten Service verkaufen. Diese Woche gab es eine Einigung der Verwertungsgesellschaften mit den Nutzerverbänden, es wurde ein Tarif für die Nutzungsart festgesetzt. Es wurde auch eine Einigung über den Umgang mit Werbung erzielt. Wie diese Einigung aussieht, wurde allerdings noch nicht kommuniziert. Der Werbeindustrie ist es ja ein Dorn im Auge, dass die  Werbung vorgespult werden kann. Sehr sinnvoll, wenn bei Formaten wie z.B. „The Voice of Germany“ eine Sendung, die netto 130 Minuten lang ist, durch Werbeblöcke auf 180 Minuten aufgeblasen wird. (Btw: Vielleicht auch ein Grund, warum die Live-Quote dieser Sendung rückläufig ist).

«Catch up»-TV, was ist das überhaupt? Der etwas unglücklich gewählte Ausdruck erinnert lautmalerisch an das, was man auf geschnitzte und frittierte Kartoffeln gibt. Damit liegt man aber falsch. Kurz gesagt: Es geht um zeitversetztes Fernsehen. Er bezeichnet die permanente Aufzeichnung eines TV-Programms durch einen Anbieter, so dass die Zuschauer die Sendungen später ansehen können. Man darf sich das wie einen gigantischen Videorekorder vorstellen, den man nicht programmieren muss, weil er einfach das gesamte Programm mehrerer Sender aufzeichnet, rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Äusserst praktisch! Wer es einmal genutzt hat, möchte es nicht mehr missen. Das Fernsehprogramm zeigt ja auch Sendungen, die man verpasst hat. Und die kann man sich dann noch nachträglich ansehen.

Auch mit einer Set-top-Box mit Aufnahmefunktion lassen sich Sendungen abspeichern, doch das Aufnahmevolumen wird durch die Grösse der Festplatte limitiert. Ganz anders sieht es bei den Internet-TV-Anbietern Zattoo und Wilmaa aus: Hier haben die Nutzer zurzeit die Möglichkeit, rückwirkend das TV-Programm zu sehen. Bei Zattoo (bis 90 Tage) und Wilmaa (30 Tage) im Rahmen eines kostenpflichtigen Premiumabos. Bei Zattoo (30 Tage) gibt es diese Leistung (für den Nutzer) gratis. Ab Januar 2013 werden es dann nur noch 7 Tage sein. Okay, das ist immer noch eine ganze Menge, aber für längere ferienbedingte Abwesenheiten reicht das nicht aus. Es wird spannend sein zu sehen, wie sich die Abopreise ändern werden.

Gerüchten zufolge, beziehen sich 80 % Prozent aller Aufrufe auf Sendungen, die innerhalb der letzten sieben Tage ausgestrahlt wurden. Wenn man eine Sendung oder Serie dann doch erst später ansehen möchte, geht das nur über eine Set-Top-Box mit integriertem Videorekorder, wie sie UPC Cablecom und Swisscom-TV bieten.

Es bleibt spannend, wie Zattoo, Wilmaa agieren werden, um sich nicht die digitale TV-Butter vom Brot nehmen zu lassen.

Der Entscheid ist noch nicht endgültig und kann noch angefochten werden. Alle Angaben hier darum ohne Gewähr!