Gottschalk live, Folge 1

© ARD

Mit viel Pomp und Trallala wurde Thomas Gottschalks neue Show auf ARD angekündigt.  Und so schreierisch wirbt der Sender dafür: Live und unverwechselbar, mit sehr persönlichem Blick, aber immer Klartext: Der neue „Anchorman“ des Ersten, Thomas Gottschalk, wird in seiner Sendung „Gottschalk Live“ auf die Themen eingehen, die Tagesgespräch sind, ihm relevant erscheinen und die die Menschen bewegen – direkt und aktuell. Klingt vielversprechend, dachte ich mir. Doch die Premiere am Montagabend hinterliess lediglich einen schalen Geschmack.

Zum Auftakt verspricht Gottschalk eine Show, so lustig-leicht wie eine halbe Happy Hour. Das heisst: Eine halbe Stunde ohne Rettungseuroschirme, Wulffrei und es werde garantiert nicht gekocht. Dafür wird er vernünftig angekleidet erscheinen und boykottiert daher Günther Jauchs ARD-Krawatte.  Dann schwadroniert er weiter, fragt sich, was die Zuschauer von ihm erwarten. Die Antwort: News aus Hollywood, da er auf Du und Du mit den Stars aus der Filmstadt sei. Auf Du und Du, nur weil er schon mal mit ihnen auf der „Wetten, dass…“-Couch sass und sie interviewen durfte? Oder zieht er neuerdings mit Ashton Kutcher durch die Kneipen, philosophiert mit Johnny Depp und geht mit Heidi Klum auf Shoppingtour? Nein, denn viel mehr als die Medien von der Klum/Seal-Scheidung berichten, das kann auch ein Gottschalk in seiner Sendung zum Ende der Traumehe nicht erzählen. Nach seiner tiefenpsychologischen Analyse kennt Gottschalk aber immerhin den Grund für das Aus: beide sind im Showbusiness, das sei zu viel. Was für eine gestochen scharfe Analyse, danke Herr C.G. Gottschalk. So viel zur Gottschalkschen Nähe zu den Stars… Dass Bully Herbig sein erster Studiogast war, das spricht auch Bände. Wer braucht schon einen Gast wie Nicolas Cage, wenn Bully Herbig dafür vorbeikommt. Und dann das grosse Malheur: der blonde Entertainer hat das Timing der Sendung so schlecht im Griff, dass er Bully Herbig bei seinem einzigen Witz unterbrechen muss, weil das Wetter angesagt wird. Schlauer Cliffhanger oder saublödes Timing?

So oder so: Gottschalk Live ist definitiv noch keine televisionäre Happy Hour-Party, sondern so spannend wie eine Bingo-Veranstaltung am Sonntagnachmittag im Seniorenheim. Doch wie sagte einst Gottschalks schönste Assistentin Michelle Hunziker: Dranneblibe, dranneblibe, dranneblibe. Das machen wir, denn nach dem Regen scheint wieder die Sonne. Oder: Es kann nur noch besser werden.