Living Room

Die Live-Schiene nach Schulschluss ist klassisches Musikfernsehen at its best. Ähnlich einer Late Night Show, die mit einem Bürotisch, einem moderierenden Kravattenträger und einer Band auskommt, reicht für eine interaktive Musikshow eine sexy Quasselstrippe, ein Sofa und Gäste aus dem öffentlichen Leben zum Quatschen. Und genau das ist der Living Room bei joiz.

Mike Pelzer und Alexandra Maurer auf dem Sofa

Für einmal bleiben ihre Münder geschlossen. (Screenshot: Roland Meier)

Wo in den 90ern noch in die Sendung angerufen werden konnte, Korbweise Fanpost rumlag und im Hintergrund die Faxmaschine endlos Papier ausspuckte, ist bei joiz, der crossmedialen Plattform, Facebook, Twitter und Skype Trumpf. Zwar erwies sich Moderatorin Alexandra beim Sendestart von joiz als Compi-Illetristin, welche den Refresh-Button nicht kannte – was bei Posts auf der Facebook-Wall zum Verhängnis werden kann. Aber mit ihrer charmanten Art lockt sie auch aus den wortkargsten Gästen so einiges heraus. Sie sieht ausserdem so gut aus, dass wohl auch der eine oder andere creepy old man weit jenseits der Zielgruppe auf diesem Sendeplatz halt macht zum „entspannen“. Auch Mike Pelzer mit seinen Bergseeli-Augen ist ein hervorragender Talker. Zwar hat sein Wortschatz eine etwas begrenzte Anzahl Floskeln „am Start“, aber er verzichtet im Gegensatz zu Alexandra auf allzuviele Anglizismen, oder schlimmer noch komplette Sätze in englischer Sprache.

Natürlich steht und fällt diese Art von Shows mit der Qualität der Gästeauswahl. Living Room hatte in den letzten drei Monaten Höhen und Tiefen. Wobei die Höhepunkte jeweils Mike Pelzer besorgte, wenn er mit den hübschesten Frauen im Business offen flirten durfte (Natasha Bedingfield, Alexis Jordan, Lea Lu). Mühsam wirds bei älteren Herren, die wahlweise Gitarre schrammeln (Beatsticks), Bücher schreiben (Markus Kavka) oder mit freiem Oberkörper rappen (Thomas D.). Auch für Realsatire wie die beiden Ostschweizer Rapper Kiko und Boro von 361 Grad oder unsere national bekannten Trance-DJs ist Platz. Und dass die überlange Sendezeit mit Füllern wie Sessions auf der Spielkonsole und Alexandras „gefürchteten“ Fragen mit der „Assoziationskette“ überbrückt werden muss, nimmt man gerne in Kauf. Denn im Grund gilt das geflügelte Wort vom „hinein in die gute Stube“ für den Living Room bei joiz in einer Mehrzahl der Fälle. Eine Wundertüte, in der man beim Zappen gerne stecken bleibt.

Living Room – montags, dienstags, donnerstags und freitags um 17.30 Uhr auf joiz.
Danach Wiederholungen im 24-h-joiz-Loop und auf immer und ewig auf joiz.ch