Wegen schlechter Quoten, wird „Glee“ seit heute auf SF zwei rund zwei Stunden früher als bisher ausgestrahlt. Das SF spricht von einem „umfangreicheren“ Serienprogramm. Mattschiibe.ch bringt die Hintergründe.

In England ist die Serie mit dem Gesangsverein ein Hit für den eher kleinen Sender E4. Rekorde auch gibt es auch in den USA zu vermelden, wo die Serie den prestigeträchtigen Platz gleich im Anschluss ans Finale der Football-Saison ergattern konnte. In Deutschland hingegen ist man enttäuscht. Die 4% Marktanteil, die man in der Zielgruppe erreichen wollten, schafft SuperRTL mit „Glee“ nicht. Wie SuperRTL wagte auch SF zwei für die Schweiz den mutigen Schritt, die Serie in die Prime Time zu nehmen. Ab heute, knapp zwei Monate seit der Pilotfolge, gilt das Projekt als gescheitert, und SF zwei zieht die Notbremse.

Mattschiibe.ch weiss, dass man am 22. Februar „Glee“ noch mitziehen wollte auf dem angestammten Sendeplatz um 20:50 Uhr, bis die „Desperate Housewives“ am 28. März in die Pause gehen. Doch schon am 24. Februar wurde die bereits publizierte 6-Wochen-Vorschau Makulatur und offiziell verkündet, dass „Glee“ ab 7. März bereits in den Vorabend verbannt wird.

Offiziell sollen mit dem früheren Sendeplatz „jüngeren Fans der Kultserie noch besser angesprochen werden als bislang“ (SF Medienmitteilung). Dank der Streichung des Tagesschau-Simulcast auf SF zwei – ebenfalls seit heute – kann man sogar von einer Verlängerung des Serien-Montags sprechen. Im offiziellen Facebook-Auftritt der SF-Serienredaktion wird auch penibel darauf hingewiesen, dass es die Programmänderung nicht auf Grund schlechter Quoten durchgeführt wurde.

So ganz stimmt dies aber nicht. In der Zielgruppe der 15-49-Jährigen ist „Glee“ die zweitschlechste Serie auf dem 20:50-Slot des SF-Serien-Montags seit dem Ende der Fussball-WM in Südafrika diesen Sommer. Nur 73’500 Zuschauer interessierten sich im Schnitt für die sechs Folgen, die zwischen dem 17. Januar und dem 21. Februar um Zehn vor Neun liefen. Dies entspricht einem Marktanteil von 9.2%. Nur die Zweitaustrahlungen der deutschen Serie „Doctor’s Diary“, welche auf RTL schon lange zu sehen waren, liefen als Füller über die Feiertage auf SF zwei noch schlechter. (65’200 Zuschauer bei 8.1% Marktanteil.). Ein „Dr. House“, der wie „Glee“ im Anschluss an „Desperate Houswives“ von einem starken Vorprogramm profitieren konnte, kam gleichenorts auf 106’400 Zuschauer und 13.6% Marktanteil. Noch besser lief es im August und September 2010 mit „Private Practice“ welche kurz vor 21:00 Uhr 118’700 Zuschauerinnen vor die Geräte locken konnten, was einem Durchschnittsanteil von 16.0% entspricht. Sogar die Kabel1-Serie „Castle“ erreichte im Hochsommer auf SF zwei im Schnitt zweistellige Marktanteile (11.8% mit 69’400 Zuschauern).

Wir lieben SF zwei und sein exquisites Programm mit der Möglichkeit es Zweikanaltonverfahrens. Aber zu Fehlplanungen sollte man stehen können. „Glee“ zur Hauptsendezeit war ein mutiger Schritt, der auch in die Hosen gehen durfte. Dafür muss man sich nicht schämen. Das Flagschiff Serien-Montag hat Bestand.