Mattscheibe, so nennt man manchmal scherzhaft das Fernsehgerät. Und tatsächlich begann alles mit einer Scheibe.
Fernsehsender Paul Nipkow (Foto: PD)
Als der deutsche Student Paul Nipkow am Heiligabend 1883 in seiner Berliner Wohnung hockte, sehnte er sich nach seiner Familie in Pommern, die er nicht besuchen konnte, weil er nicht genug Geld für die Reise hatte. Ein Gedanke ging ihm nicht mehr aus dem Kopf.
Wie schafft man es, Bilder über weite Strecken zu übertragen? Nach langem Grübeln, kam er auf eine Idee, die die Grundlage für unser heutiges Fernsehen bildete.
Das Telefon war bereits erfunden. Sprache konnte man also übermitteln, aber wie sollte es nun möglich sein, auch Bilder in weiter Ferne sichtbar zu machen? Dem Geheimnis auf die Spur kam der leidenschaftliche Tüftler beim Betrachten einer brennenden Kerze. Kniff er die Augen zusammen, sah er nur noch einzelne Strahlen oder Punkte. Doch diese setzten sich dennoch wieder zu einem ganzen Bild zusammen. Wenn man also ein Bild Punkt für Punkt zerlegte, diese Punkte übertragen konnte und sie dann in weiter Ferne wieder zu einem Bild zusammensetzte, müsste es gehen. Noch am Weihnachtsabend entwickelte er die sogenannte Nipkow-Scheibe. Eine mit Löchern versehene Scheibe, mit deren Hilfe er das Bild, das er übertragen wollte, Punkt für Punkt abtastete. Das Bild konnte so zerlegt, die Lichtpunkte später in elektrische Stromstöße umgesetzt und elektronisch weitergeleitet werden. Am anderen Ende setzten sich die Punkte schließlich Zeile für Zeile wieder zusammen. Die Scheibe musste sich dabei so schnell drehen, dass das Auge den Punkt- und Zeilenwechsel nicht mehr nachvollziehen konnte. 1884 erhielt er das Patent über das mechanisch-optische Verfahren zur Bildabtastung. Über 40 Jahre später, 1928 auf der Funkausstellung in Berlin übertrugen die ersten Apparate postkartengroße, unscharfe Bilder über eine gewisse Entfernung. Der schottische Erfinder und Fernsehpionier John Logie Baird (1888 – 1946) schaffte es am 3. Juli 1928 zum ersten Mal, farbige Bilder zu senden. Doch dauerte es noch viele Jahrzehnte bis diese Technik ausgereift war.
Die Nipkow-Scheibe wurde mit einer Handkurbel betrieben. Klar, dass so die Übertragungsgeschwindigkeit und die Qualität der Bilder bald nicht mehr ausreichten. Die Bilder waren dunkel und unscharf. Die Auflösung von 30 Zeilen pro Bild eine Herausforderung an die Augen. Der Physiker Karl Ferdinand Braun erfand bereits 1897 eine Röhre, die Braun’sche Röhre. Mit deren Hilfe konnten elektronische Strahlen ebenfalls Punkt für Punkt, aber wesentlich leistungsfähiger an den Bildschirm gelenkt werden. Bis heute funktionieren Fernseher mit Bildröhren so.
1929 wurde in Deutschland die erste Nachrichtensendung ausgestrahlt. Damit begann das Fernsehzeitalter. Jedoch hatte noch niemand einen Fernsehapparat zuhause. Es wurden Fernsehstuben in Berlin eingerichtet, in denen man Sendungen gemeinsam sehen konnte. Doch war die Qualität der Übertragung schlecht und es gab nur dreimal in der Woche eine kurze Sendung. 1935 startete der Fernsehversuchsbetrieb vom Sender „Paul Nipkow“. Seit Anfang der 1930er Jahre hatte sich mehr und mehr die von Manfred von Ardenne entwickelte elektronische Bildabtastung durchgesetzt. 1939 gab es die ersten Fernsehmodelle für private Zwecke. Durch den Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde die Herstellung aber gestoppt. Erst in den fünfziger Jahren hielten die Flimmerkisten Einzug in viele Haushalte. Immer mehr Menschen konnten sich nun einen Fernseher leisten und die Technik war inzwischen entscheidend verbessert. Ab 1967 war man soweit, die Bilder farbig übertragen zu können.
Seit einigen Jahren sind die Röhrenbildschirme durch neuere, anders funktionierende Flachbildschirme abgelöst worden.
Beim heutigen hochauflösenden Fernsehen (HDTV) wird ein Bild in 1080 Zeilen mit über 2 Millionen Pixeln zerlegt. Davon konnte Paul Nipkow noch nicht einmal träumen. Der Geburtstag des am 22. August 1860 in Lauenburg/Pommern geborenen Mathematikers und Naturwissenschaftlers, jährt sich in diesem Jahr zum 150. Male.

Dieser Text stammt von der Journalistin Silvia Friedrich aus Kleinmachnow, die uns dankenswerter ihren Text zur Publikation auf mattschiibe.ch überlassen hat.
Kontakt: http://www.silvia-friedrich.de
Übrigens: Morgen, am 24.8.2010 jährt sich Nipkows Todestag zum 70. mal.

Die Paul Nipkow Story auf fernsehmuseum.info