Inka Bause war in der DDR eine berühmte Schlagersängerin, so eine Art „Ost-Nena“: jung, frech und wahnsinnig bekannt. Sie wohnte in Ost-Berlin und war privilegiert – wie sie neulich in einer Talkrunde bei Beckmann verlauten liess. Ihr gelang es ausgezeichnet ihre Karriere in das neue, wiedervereinigte Deutschland herüber zu retten. Als RTL-Moderatorin für „Bauer sucht Frau“ wurde die Sängerin und Schauspielerin einem weiten und breiten Publikum bekannt.

Gestern wurde Inka Bause einem noch weiteren und noch breiteren Publikum bekannt. Sie war Inhalt des Blogeintrags «Bause sucht Streit» von Kai Diekmann, der gestern seinen persönlichen, wenn auch nicht ganz privaten Blog an den Start gebracht hat. Diekmann ist nicht irgendein Feld-, Wald- und Wiesenblogger, sondern ein veritables Schwergewicht der Medienwelt: In seinem Hauptberuf ist er Chefredaktor und Herausgeber der BILD-Zeitung. Und über das auflagenstarke Boulevard-Blatt hatte sich Frau Bause beim deutschen Presserat beschwert, genauer gesagt, über die Berichterstattung zum Attentat auf die niederländische Köngigsfamilie: Die Bilder seien «seien pietätlos und potenziell jugendgefährdend.»
Das ist ihr gutes Recht und vom Recht auf freie Meinungsäusserung gedeckt, nur wenn es rauskommt, wirkt es blöd. Sehr blöd. Bauses Verzicht auf Interpunktion und die penetrante Kleinschreibung sind auf jeden Fall pädagogisch fragwürdig.

Der Presserat schickte Bauses Vorwurf an die BILD-Zeitung mit der Bitte um Stellungnahme.
Und jetzt wird’s wirklich seltsam: In einem kriecherischen Entschuldigungsbrief an Kai Diekmann sieht sich Bause als Opfer der Behörde: sie habe nicht damit gerechnet, dass ihr Brief weitergeleitet würde, sie glaubt ferner, der Presserat wolle aus ihrer Prominenz einen Vorteil schlagen, sowie weiteren Ausflüchten und Begründungen, die nicht nur an den Haaren herbeigezerrt wirken, sondern es wahrscheinlich auch sind: Sie ging davon aus, dass der Presserat ihre Beschwerde vertraulich behandeln würde und sieht sich als Opfer von Indiskretion. Bause schreibt

Inka Bause mit Goldener Henne

Inka Bause bekommt 2008 die "Goldene Henne" für Unterhaltung und Moderation.

«… die Bildzeitung, die ein Partner von mir ist, und mit der ich zusammenarbeite …» Und «Bitte nehmen Sie mir ab, dass ich Sie nicht über drei Ecken denunzieren wollte». Fehlt nur noch, dass sie hinzufügt „Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort. Ich wiederhole: mein Ehrenwort“. Sie wollte ihrer Tochter ein pädagogisches Vorbild sein. Toll. Ob der schleimige Brief an Diekmann auch pädagogisch wertvoll ist? Der Kotau wirkt sehr peinlich und erniedrigend.

Ich nehme Bause sofort ab, dass sie sich niemals wünschte, dass die Geschichte rauskommt. Jetzt, da Kai Diekmann die Anschreiben im vollen Wortlaut ins Netz gestellt hat, ist es dafür wohl zu spät.

Mit dem Singleleben ist es übrigens vorbei, verriet Bause der „Frau im Spiegel“.