Kulturschock (2/5)

Hansjörg Enz: „Der Strom fällt jeden Tag mal aus.“ In der Küche zeigt er uns seine Müeslimischung: „Die hab ich von daheim, die gibt es hier nicht.“ Sein Ausblick geht auf eingemauerte Häuser: „Seit Krieg ist, müssen die Leute sich einsperren, bauen Mauern um sich. Vieles fehlt hier.“ Hansjörg Enz hat gehört, dass jemand Bettdecken in der Nähe verkauft. Er findet die Verkäuferinnen, aber ein kleines Mädchen, Aminata, hat Angst vor dem weissen Mann. Er kauft eine Decke, die wahrscheinlich aus unserer Altkleidersammlung stammt und geht zurück.

Ein schwarzer Mann führt Hansjörg Enz an der Hand durch die Strassen, das sei am Anfang gewöhnungsbedürftig, meint der Journalist.

Der zweitgrösste Radiosender der Region ist sein Arbeitsplatz. Dort bildet er junge Journalisten aus. Ganz wichtig sei die Eröffnungszeremonie und die Schlusszeremonie, meint er, als er die ersten Diplome verteilen kann: „Encore une fois, merci pour tout!“

Reto Maccioni sieht sich seinen nächsten Flug an. Er fliegt als Pilot mit einem grossen Flugzeug von Dubai nach Bombay. Ein starker Jetstream bläst von Westen gegen Osten, den muss er einkalkulieren. Dann wird der Emirates- Pilot von einem Privatchauffeur abgeholt. Er erzählt, er habe in seiner Ehe viele Hochs und Tiefs erlebt, ohne seine Frau Monika wäre es nicht möglich, Beruf und Privatleben zu leben, sie sei ein Master im „das Zuhause managen“. Selina vermisst ihre Schulkameraden und schickt eine E-Mail. Derweil reinigt Monika mit Tochter Chiara die Wohnung energetisch per Spray.

„Bisch ä chli ufgregt?“ fragt Monika ihre Tochter Selina, die Bauchweh hat. Die Schulleiterin Susie Gill zeigt der Familie die Schule und Selina trifft auf erste „Gspänli“. Selina kommt im Januar zu euch. „Toll, ein Mädchen mehr“, wird sie begrüsst. Monika findet: „I ha s Gfüu, mir hei ä tolli Schuel für d Chind.“

Claudio Candrian ist bestens gelaunt zu Beginn und fegt die Bedenken von Theres Brunett vom Tisch. Doch später klappt gar nichts, was ihm zunehmend die Laune verdirbt. In der Kanzlei der Anwältin gibt es keinen Vertrag für das Grundstück, das er kaufen will und sie will Fr. 4’500 mehr, als abgemacht. „Da wird viel geredet und nichts gemacht“, stellt er danach fest.

Inzwischen wurde das Grundstück gemäht und siehe da, es kommt ein neues Verkaufsschild zum Vorschein mit anderer Telefonnummer. „Da hat noch jemand anders die Finger drin“, meint Claudio, „aber wir haben das Originaldokument.“ Das Dorf versammelt sich, schliesslich wird das neue Schild einfach weggelegt, ist das die Lösung des Problems?

Familie Schmid kann ihren Hund Bodo nach vier Wochen Quarantäne endlich abholen. Er scheint es gut überstanden zu haben und schlägt vor Freude rhythmisch gegen die Box mit seinem Schwanz.

Dana Schmid sitzt beim ersten Kaffee nach 16 Stunden Flug in Australien und sinniert darüber nach, dass sie vom Flugzeug aus einfach nichts gesehen hat, kein Haus links, kein Haus rechts. Später keine Menschen, aber im Supermarkt, da hatte es doch Menschen und ihr Wohnort hat knapp 3’000 Einwohner. Wer hat schon rote Steine direkt hinter seinem Haus, aber es gibt auch Schlangen und viel Platz vor dem Haus zum Wäscheaufhängen.

Für Sandra und Duncan Gano fühlt es sich erst an, „als wären wir nur lange in den Ferien gewesen und heute nach Hause gekommen“. Sie leben bei klirrender Kälte, -10 Grad auf 800 ha Land, das sind über 1’000 Fussballfelder. Was ihnen jetzt noch fehlt, sind rund 100 Mutterkühe. Aber die Kühe sind viel teurer als erwartet. Duncan stellt sich 530 Dollar pro Kuh vor, aber ein Bauer, der gleich eine Herde verkaufen will, verlangt 1’200 Dollar pro Kopf. Auch eine Auktion bringt ihnen kein Glück.

Fortsetzung: Freitag, 18. September, 21:00 Uhr auf SF 1